Ein investigativer Bericht aus Paris.
Am 22. Januar 1963 wurde der Elysée-Vertrag unterzeichnet, die Regierenden konsultieren sich seither regelmäßig. Oft ist daher vom „deutsch-französischen Paar“ die Rede. Aber was macht das Paar, wenn die Journalisten gegangen sind?
Wie einst am Hofe wird noch heute in den Schlafzimmern Politik gemacht, deshalb ist in Frankreich das Privatleben der Politiker tabu. Es wissen zwar alle Bescheid, aber keiner schreibt darüber, es sei denn, die Beteiligten machen’s »danach«. Erlaubt ist jedoch, sich die Grund lagen der ganzen Sache mal in Ruhe anzuschauen. In Deutschland heißt »französisches Bett« ein Bett für zwei, das aus nur einer Matratze besteht. Hier ist aus deutscher Perspektive an zentraler Stelle etwas ganz Entscheidendes vorhanden, was in Deutschland bei zwei nebeneinander stehenden Einzelbetten in der Mitte fehlt: der Übergang. Der unschöne Spalt in der Mitte wird auf Deutsch sehr uncharmant »die Besucherritze « genannt – der Begriff allein lässt erahnen, wie unbequem es bei trauter Zweisamkeit wird – und welche Dramen sich später mit kleinen Besuchern dort abspielen.
Ein echtes französisches Bett ist außerdem mit einer einzigen Decke ausgestattet, die lediglich ein im Kopfbereich umgeschlagenes Laken vom Körper trennt. Das Ganze ist an den Seiten und an der Fußkante unter die Matratze gestopft. Das Kopfende begrenzt eine ebenfalls ins Laken eingeschlagene Nackenrolle, die sich über die ganze Breite des Bettes erstreckt. Wer sich in so ein Bett legen möchte, muss von oben hineinklettern, als wäre es ein Schlafsack. Liegt man erstmal drin, sieht das von außen so aus wie ein Steckkissen, in das früher die Frauen ihre Babies packten, um sie am Feldrand oder bei der Arbeit sicher und warm aufgehoben zu wissen.
Aus deutscher Sicht ist diese Art von Bett schlicht unbegreiflich. Wie schafft es ein Volk, das so beengt schläft, sich überhaupt zu vermehren – und auch noch den sprichwörtlichen „ french lover” hervorzubringen? Und wie soll sich unter der gemeinsamen Decke der Einzelne einkuscheln und die Decke im Rücken feststopfen? Das zieht doch! Tja, ihr Deutschen, ihr müsst einfach so schlafen, wie die Franzosen: unter einer dünnen Decke in einem geheizten Zimmer.
Für viele Franzosen ist dagegen die deutsche Art zu schlafen der blanke Horror. Unter einem Daunenbett, für das ein halber Gänsehof Federn lassen musste – und das wie zum Hohn auch noch einen französischen Namen trägt: das „ Plumeau ”! Und da ein Federbett zwar dick gefüllt, aber nicht rundum festgestopft ist, erweist es sich nachts als äußerst mobil und springt in einem unbeobachteten Moment aus dem Bett. Dazu kommt noch die Neigung der Deutschen, fast das ganze Jahr bei offenem Fenster zu schlafen, angeblich, weil es gesund ist... Wie schläft also das deutsch-französische Paar? Monsieur im Steckbett, die andere Partei unterm Plumeau? Wie ist da der Fortbestand des deutsch-französischen Paares gesichert – wo trifft man sich? Vielleicht trifft man sich zum Einkaufsbummel in DEM Pariser Fachgeschäft. Denn die Fronten bröckeln.
Immer mehr Franzosen entdecken die „ couette ”, in Frankreich heißt das Daunenbett nämlich nicht „ plumeau ”, und die Deutschen die Vorzüge der einteiligen Matratze. Hier, im vornehmen 16. Arrondissement direkt gegenüber des Trocadéro, werden Standards für nächtliche Entspannung gesetzt. Das Geschäft heißt so, als dürften in dem, was hier verkauft wird, nur künftige Präsidenten gezeugt werden: „ le lit national ”.Wussten wir’s doch, es handelt sich um eine staatspolitische Angelegenheit!
Caroline Elias
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Sehr geehter Frau Elias,
interessiere mich sehr für Ihr Projekt "Litfaßsäule" und "Bise". Haben Sie diesbezgl. schon etwas verfasst, wenn ja, wo findet man das?
Mit freundlichem Gruß
Liebe Sabine,
Danke für die Anregung. Die Litfaßsäule bearbeite ich, die war mir schon öfter ein Anliegen, Danke, dass Sie mich daran erinnert haben. Darüber hinaus bearbeite ich Themen wie 'la bise', das Brot, Dolmetschen, Cineast (für die Berlinale-Zeit ;-) - und die Mütter sind vielleicht auch nochmal dran. Man liest nun ausgerechnet dieses Thema häufiger, da muss ich mir schon was Besonderes einfallen lassen.
Auf jeden Fall freue ich mich über jeden Themenvorschlag, der mich über die Redaktion oder direkt erreicht. Meine Anschrift finden sie im Internet.
Freundlich grüßt: Caroline
Hallo Frau Elias, ich möchte mehr davon!! Schreiben Sie doch bitte auch mal was über die Mütter, die in Frankreich ganz anders gesehen werden als in Deutschland, in Form einer Glosse. Oder über Themen wie die Litfaßsäule. Oder le café versus die Konditorei. Liebe Grüße, Sabine