Am 12. September 1747 wurde auf Initiative des französischen Predigers Loriol d'Anières eine Armenschule – die École de Charité – für die bedürftigen Kinder der Französisch-Reformierten Gemeinde in Berlin gegründet. Die Schule wurde in einem Haus in der Jägerstraße untergebracht. Anfänglich gab es zwölf Schüler. Man unterrichtete auf Französisch in den Fächern Religion, Deutsch, Rechnen und Zeichnen. Zusätzlich verrichteten die Schüler praktische Arbeiten, um sich auf das spätere Leben vorzubereiten und die Finanzen der Schule aufzubessern.
In der Ausgabe der Gazette de Berlin vom 15. September 1757 wurde bekannt gegeben, dass die Direktoren dieser Schule drei religiöse Bücher für die Verwendung in der École de Charité herausgegeben haben. Es handelte sich um einen Katechismus, eine Zusammenfassung der biblischen Geschichte und einen Band mit Fürbitten.
In der Berliner Friedrichstadt entstand im 18. Jahrhundert eine ganze Reihe von Wohlfahrtseinrichtungen der französischen Emigranten. Dazu gehörten das Französische Hospital, eine Suppenküche mit Bäckerei für Arme und die Gesellschaft zur Bereitstellung von Brennholz im Winter. Das Kinderkrankenhaus und das Waisenhaus wurden 1844 mit der École de Charité zusammengelegt. Erst während der Notzeit der Inflation, Anfang der Zwanziger Jahre des 20. Jahrhunderts, mussten diese drei Institutionen schließen.