

Seit dem 21. März 2009 steht es fest. Dieudonné M’bala M’bala tritt nach 2004 das zweite Mal als Spitzenkandidat für eine extremistische Partei bei einer Europawahl an. War er jedoch 2004 noch für die linksradikale Partei „Euro-Palestine“ angetreten, so geht er dieses Mal als Rechtsextremer ins Rennen. Am 7. Juli 2009 steht der ehemalige Komiker nun mit einer „antikommunitaristischen und antizionischen Partei“ auf dem Wahlzettel. Die Frage dabei ist jedoch nicht, ob er einen geistigen oder politischen Wandel durchgemacht hat, sondern viel mehr, was sein eigentliches Ziel ist.


Der 43 jährige M’bala M’bala ist in Frankreich im Gegensatz zu Deutschland ein ungemein bekannter Mann. Zu Beginn der 90er Jahre wurde er vor allem durch seine Tätigkeit als Komiker und Schauspieler bekannt. Er entwickelte sich landesweit zu einem der Beliebtesten und Bekanntesten seines Genres. Heute macht er weiterhin Späße, jedoch weit ab von allgemeiner Zustimmung. Er ist politisch geworden. In wörtlich extremer Weise. Und er hat seinen alten Mitstreiter Elié Semoun, den er von Kindesbeinen an kannte, hinter sich gelassen.

Dieudonné zwischen den Extremen
M’bala M’bala, ein dunkelhäutiger Mann bretonisch-kamerunischer Herkunft mit krausem Vollbart, erspielt sich in den 90ern an der Seite seines Kinderfreundes sephardischer Herkunft Elié Semoun eine hohe Beliebtheit in der Unterhaltungsbranche, dabei speziell der Komik. 1997 beginnt er sich zudem auch politisch zu engagieren. Natürlich – mag man als Außenstehender sagen – auf Seite der politisch Linken, gehört er doch durch seine afrikanische Abstammung zu den Menschen, die von Nationalisten angegriffenen werden. So tritt er im Jahr 1997 als Spitzenkandidat von „Les Utopistes“ gegen Marie-France Stirbois, Gegenkandidatin der Front National, in Dreux um den Bürgermeisterposten an. Mit 8 % der Stimmen ist er zwar klar unterlegen, seine laute Stimme verwendet er jedoch – zunächst – weiterhin dafür, im linken anti-rassistischen Spektrum tätig zu sein. Er setzt sich für Migranten ohne Aufenthaltsgenehmigung (sans papiers) sowie für die Palästinenser ein. Nach dem Bruch mit seinem jüdischen Freund und Kollegen Semoun wendet sich das Blatt. Langsam, aber unaufhörlich entwickelt sich Dieudonné in Richtung der rechten Szene, welche er 1997 noch bekämpft hatte. Dabei legt er besonders Wert darauf, Angehörige der jüdischen Glaubensgemeinschaft zu verurteilen. 2002, weniger als 5 Jahre nach dem Ende des Kollegenverhältnisses mit Semoun, erklärt er gar„die Juden“ seien „eine Sekte, ein[en] Betrug, und zwar der schlimmste von allen, weil es der erste war“. Seine provokante Taktik geht in diesem Jahr 2002 nicht auf. So schafft er es nicht die erforderlichen Unterschriften für eine Präsidentschaftskandidatur einzuholen und muss seine Kandidatur aufgeben. Eben dies sollte ihm auch 2007 wiederholt nicht gelingen, nachdem ihn in diesem Jahr logistische Schwierigkeiten daran hinderten.


Entertainer von Herzen
Spätestens nach seiner rechts-Radikalisierung 2002 zeigt sich Dieudonné verstärkt als politischer Komiker, der mit seinen Ideen und seinem Handeln für frankreichweite Skandalauftritte sorgt. Dabei handelt er, wie schon durch seine Worte im Zuge seiner gewollten Präsidentschaftskandidatur 2002 zu bemerken, vor allem politisch verbal gegen den jüdischen Glauben, ihre Anhänger und den jüdischen Staat Israel. So spielt er zahlreiche Sketche in seinem eigenen Theater „Théâtre de la Main d’Or“ in Paris vor einem größtenteils islamistisch, palästinensischen Publikum, die über seine anti-israelischen Anspielungen mehr als lächeln können. In diesem Theater lässt er zudem die militant-antisemitische „Tribu Ka“ auftreten und ihr Gedankengut verbreiten. 2003 trat er sogar in einer Fernsehsendung live als orthodoxer Jude verkleidet auf, der den Hitlergruß macht und „Isra-Heil“ brüllt. Des weiteren biederte er sich zunehmend dem Thema des Holocaustgedenkens an und unterstützte einen der bekanntesten Holocaustleugner Robert Faurisson. Im Zuge einer Pressekonferenz 2005 erklärte er nicht nur der französische Zentralrat der Juden sei eine „Mafia“, die eine „totale Kontrolle über die französische Politik“ ausübe, sondern auch das Gedenken an den Holocaust sei „Gedächtnispornographie“. Im Dezember 2008 verlieh Dieudonné Robert Faurisson zudem bei einer Veranstaltung im Pariser Parc de la Villette einen „Preis für Unangepasstheit und Impertinenz“. Den Preis überreichte ein mit einer KZ-Uniform gekleideter Mitarbeiter Dieudonnés. Dies löste einen weiteren Skandal aus.

Entgültige Annäherung an die FN
Nach seinen Jahren, in denen er gegen die FN arbeitete, beginnt Dieudonné 2005 sich zunehmend, sich in Anwesenheit von bekannten Front National Mitgliedern zu zeigen. Nach erfolgreicher Kontaktaufnahme mit Bruno Gollnisch, hochrangiges Mitglied der rechtsextremistischen Partei Front National, und der Bereitstellung seines Theaters 2007 zur Kaderschulung der FN, zeigt er sich vor allem nach seiner schlecht gelaufenen Prasidentenanwärterschaft 2007 häufig in Anwesenheit von Jean-Marie Le Pen und dessen Frau. Seine Freundschaft mit Le Pen selbst manifestiert sich spätestens, als Jean-Marie auf Bitte Dieudonnés Taufpate M’bala M’balas dritten Kindes Plume wird.
M’bala M’bala zurück in den Schlagzeilen
Wie gewohnt ist es auch zur Europawahl einmal mehr Dieudonné der die Schlagzeilen der französischen Zeitungen füllt. Bei der diesjährigen Wahl will er in der Île-de-France an der Spitze einer "antikommunitaristischen und antizionistischen Partei" antreten. Der Antizionismus steht dabei wie ein Vorhang vor dem Unwort des Antisemitismus, als meinte er ebendies und verdecke seine Meinung nur in einer anderen Wortwahl, die offiziell toleriert wird oder zumindest nicht verboten ist. Rein politisch wohl ohne Chancen ist es vor allem die Wirkung seiner Kandidatur, die für Aufsehen sorgt. Seine Partei steht dabei in direkter Nähe zu den islamistischen Kreisen Frankreichs, klar gegen Israel und den Zionismus. Mitglieder seiner Partei seien seine Freunde und Unterstützer Alain Soral, Thierry Meyssan und Kémi Séba, Gründer der Tribu Ka, sowie die Holocaustleugnerin und ehemalige Grüne Ginette Skandrani. M'bala M'bala's Kandidatur wird durch den einflussreichen islamistischen Intelektuellen Tariq Ramadan unterstützt.
Bereits nach der Verkündung seines Vorhabens kam es zu weitreichenden politischen Diskussionen rund um seine Partei. Dabei schloss man die Verbietung seiner Liste nicht aus und zog mit dieser Idee eine heiße Debatte nach sich. Dass das verbieten einer Partei in diesem Fall nicht möglich sei, erkannte die französische Regierung Anfang Mai 2009 und gestand ein, dass dies juristisch nicht machbar sei. M’bala M’bala wehrte sich im Laufe der Monate einer großen medialen Präsenz ebenso, wie man es von rechtsradikalen gewohnt ist. Er erklärte sich zum Opfer des politischen Systems und der Regierung. Damit bediente er sich eben der Taktik, die Jean-Marie Le Pen in den 90er Jahren zu einer ernstzunehmenden politischen Figur machten. Denn Opfer, gerade auf der politischen Ebene, sollten einem immer Leid tun.

Sebastian van Vugt
29-05-09

Weitere Informationen zur Europawahl finden Sie unter: http://lagazettedeberlin.de/5358.html
Zum Nachlesen:
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Une campagne semée d'épines
Sarkozy-Merkel: démonstration de cohérence CDU-UMP
Geheime Staatsaffären-la Belle et la Bête