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Zwei kleine animierte Fische sorgen in Frankreich mächtig  für Aufregung. In einem für Grundschüler bestimmten Kurzfilm von Sébastien Watel verlieben sich zwei männliche Fische ineinander und sollen so für das Thema Homophobie sensibilisieren. Politiker und Eltern sträuben sich jedoch gegen die Ausstrahlung des Kurzfilmes und wollen nicht, dass die Kinder sich mit Homosexualität und Diskriminierung befassen.


Die Liebe der beiden Fische missfällt im Film einer Katze, der "alten Agathe". In der Traumwelt in der sie lebt, ist sie davon überzeugt, dass man sich nur lieben kann wie Prinz und Prinzessin. Als sie jedoch sieht, wie glücklich die beiden Meeresbewohner miteinander sind, ändert sich ihr Blick und die Katze wagt, aus ihrem aus Träumen erbauten Schloss zu blicken, was ihr selbst die Möglichkeit für eine Begegnung schafft. Diese niedlich klingende Geschichte, verpackt in einen 26-minütigen Animationsfilm, wurde mit 3000 Euro von einer staatlichen Einrichtung für die Jugend finanziert um SchülerInnen in der  CM1 und CM2 (4. und 5. Klasse) für das Thema Homophobie zu sensibilisieren. Dem Animationsfilm mit dem Titel „Le baiser de la lune“(Der Kuss des Mondes) soll ein Begleitbuch beiliegen, mit dem die Lehrenden anschließend mit ihren SchülerInnen über unterschiedliche Liebesbeziehungen diskutieren können.



Reaktionen von allen Seiten


Was harmlos scheint hat in Frankreich eine heftige Debatte um die Veröffentlichung des Filmes ausgelöst. Der Bildungsminister Luc Chatel sprach sich dagegen aus, den Kindern in so jungem Alter den Film zu zeigen, unterstützt von Christine Boutin, eine der wenigen französischen Politikerinnen, die sich öffentlich sehr mit dem Thema Religion auseinandersetzt, die die „Neutralität der nationalen Bildung wahren“ will. Auch die Vereinigung Collectif de l’enfant, die sich gegen gleichgeschlechtliche Ehen ausspricht, sieht die Geschichte vom poisson-lune und poisson-chat nicht nur als Unmöglichkeit an, sondern sogar als heterophobe Darstellung der zwischenmenschlichen Beziehungen und einen Eingriff in ein Thema, das Eltern vorbehalten sein sollte anzusprechen. Luc Chatel findet Zustimmung ebenso bei der Staatssekretärin für Familie Nadine Morano und bei Robert Ménard. Der ehemalige Gründer und Generalsekretär von „Reporter ohne Grenzen „(Reporters sans frontières), der sich damals für die Presse-und Meinungsfreiheit einsetzte, ließ nun verlauten, dass er es vorziehen würde, seine Tochter später einen Mann heiraten zu sehen und dass es „einfacher ist heterosexuell als schwul zu sein. Um meine Kinder bedacht, wünsche ich ihnen also nichts, was ihr Leben schwieriger, komplizierter machen würde.“ Den Kindern wünscht man sich, nicht solch einen engstirnigen Vater zu haben. Ménards Worte werden von Homosexuellen auf diversen Internetplattformen scharf kritisiert. Wer sich dagegen bisher nicht öffentlich in der Debatte um die Fische aus Sand und Pastellfarben geäußert hat ist Frédéric Mitterrand, Kulturminister Frankreichs, von dem 2008 bekannt geworden war, dass er homosexuell ist. 




Luc Chatel, Bildungsminister Frankreichs

Die afrikanisch-stämmige Staatssekretärin für Sport, vorher zuständig für Auswärtige Angelegenheiten und Menschenrechte im Außenministerium, Rama Yade, setzt sich im Kampf gegen Homophobie im Fußball ein, wirkte in einem Radiointerview jedoch geniert und wollte sich zu dem Film nicht äußern, da sie ihn noch nicht gesehen habe. Als die Reporter ihr den Inhalt erklärten, meinte sie, so wie er ihr erklärt wurde, hätte sie nichts gegen die Ausstrahlung. Ihre Antwort auf den Trubel um den Kurzfilm fiel somit eher vage aus. Die Befürworter des Films halten das Argument, die Kinder seien zu jung, für nicht wahr und meinen, dass die Grundschüler jetzt genau im richtigen Alter sind über Homosexualität und Diskriminierung informiert zu werden. Wann sonst wäre denn der richtige Zeitpunkt um zu verhindern, dass die Selbstmordrate von homosexuellen Jugendlichen immer noch 13 Mal höher ist als bei heterosexuellen Gleichaltrigen.


Schranken in den Köpfen der Eltern-Generation

Auf der einen Seite die konservativen PolitikerInnen, Eltern und Lehrenden, auf der anderen deren Gegenparteien, liberale Eltern und aufgeschlossene KollegInnen. Ob die Kinder, um deren Schutz es vorgeblich geht, wirklich so in Aufruhe geraten würden oder nicht einfach den ersten Schritt zum Verständnis von verschiedenen Formen von Liebe gehen könnten, werden hoffentlich nicht die Konservativen entscheiden, sondern wie die Themen Homophobie und Diskriminierung anschließend in den Klassen und in der Familie angesprochen werden. Die erhitzten Gemüter von Eltern und Politikern zeigen, dass es hier um noch viel mehr geht. Es wird deutlich, wie wenig akzeptiert und totgeschwiegen Homosexualität und die damit verbundene Ausschließung noch zu sein scheinen, zumindest in der Generation der jetzigen Eltern, auch wenn es nur darum geht, Kindern Vorurteile nehmen zu wollen. Selbst wenn der Film nicht ausgestrahlt werden sollte, hat es der Regisseur Watel schon einmal geschafft die Verkrampftheit, mit der dieses Thema behandelt wird, aufzuzeigen.

Marion Bergermann

23/02/10






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