

Claude Miller ist am Mittwoch dem 4. April 2012 im Alter von 70 Jahren verstorben. Der französische Cineast wurde von den Großen der französischen Filmbewegung „Nouvelle Vague“ geprägt und hinterlässt 17 Filme, die sich durch großes Vordringen in die Intimität auszeichnen. Außerdem enthüllte er mit seinen Filmen die versteckten Talente mehrerer junger Schauspielerinnen.

Ein Kind der „Nouvelle Vague“
Claude Miller wurde am 20. Februar 1942 in Paris geboren und verbrachte seine Kindheit in Montreuil (Region bei Paris). Er ist Sohn eines laizistischen Juden und linken Aktivisten, der sich während des zweiten Weltkrieges weigert den Judenstern zu tragen.
1961 geht Claude Miller an die IDEH*, er scheint bestimmt für eine filmische Karriere und schließt diese als Jahrgangsbester ab. Nach einigen ersten Versuchen arbeitet er mit den zwei Koryphäen der „Nouvelle Vague“ zusammen. Er ist sowohl Regieassistent von Jean-Luc Godard bei dem Film „Week-End“ von 1967, als auch Produktionsleiter von François Truffaut von 1968 bis 1975. Truffaut beeinflusst maßgeblich das Werk Claude Millers, dieser macht sich zur Aufgabe den Geschmack des Publikums mit einer für die „Nouvelle Vague“ typischen Ästethik zu vereinen.

Ein Auf und Ab in der Karriere
Claude Miller realisiert zunächst zwei Kurzfilme, die ihm einen gewissen Bekanntheitsgrad sichern, um dann sich an einem ersten Film zu versuchen „La meilleure façon de marcher“ (Unser Weg ist der beste), 1976. Dieser Film wurde fünf Mal nominiert und mit einem César** ausgezeichnet.
Trotz dieses anfänglichen Erfolgs, wird seiner Karriere nach dem Misserfolg seines zweiten Films „Dites lui que je l’aime“ (Süßer Wahn) ein Schlag versetzt. Der Regisseur macht eine dreijährige Pause, bis ihm von Georges Dancigers die Regie des Films „Garde à vue“ (Das Verhör) anvertraut. Der 1981 erschienen Film ist von dem amerikanischen Kriminalroman „Brainwash“ von John Wainwright inspiriert. Er handelt von einer psychologischen Unterredung zwischen einem entschlossenem Polizisten und einem undurchschaubaren Notar, der vom Zeugenstatus in Verdacht einer Mord- und Vergewaltigungsgeschichte gerät. Auf der Leinwand sieht man neben Lino Ventura und Michel Serrault auch Romy Schneider, die eine mysteriöse und sorgenvolle Frau verkörpert. Der Film hat einen großen Erfolg und wird mit vier César geehrt, unter anderem für das beste Drehbuch von Claude Miller.

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 Romy Schneider spielte eine verwirrte Frau in "das Verhör"
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Engagierter Cineast und Talententdecker
Claude Miller setzt seine Karriere mit weiteren Filmen fort, unter anderem mit „Mortelle Randonnée“ (Das Auge) 1983, „L’Effrontée“ (Das freche Mädchen) 1985 und „Petite Voleuse“ (Die kleine Diebin) von 1988. Durch letztere Filme wird Charlotte Gainsbourg bekannt und tritt hinter dem Schatten seines charismatischen Vaters Serge Gainsbourg hervor.
Nach einiger weniger ereignisreicher Zeit Anfang der 1990-iger Jahre, landet Miller erneut einen Erfolg mit seinem Film „La classe de neige“ (Die Klassenfahrt) von 1998. Claude Miller bekommt den Jurypreis bei den Internationalen Filmfestspielen von Cannes.
Außerdem war der Regisseur ein engagierter und humanistischer Staatsbürger. 2008 tritt Claude Miller dem „Club des 13“ (Club der 13) bei, der die 13 Persönlichkeiten des französischen Kinos gruppiert, die auf die Probleme der Filmfinanzierung aufmerksam machen wollen. Der „Club des 13“ verteidigt eine bestimmte Vorstellung der Filmkunst, er vereinigt einen gewissen künstlerischen Anspruch und versucht trotzdem den Erwartungen des Publikums gerecht zu werden.
Claude Miller verstarb schließlich nach einigen Monaten des schmerzvollen Kampfs an Krebs.
Julien Heitz, Überseztung von Céline Bobillon
06.04.2012
*IDHEC: „Institut des hautes études cinématographiques“ (Institut der filmischen Studien), heißt mittlerweile Femis „Fondation européenne pour les métiers de l’image et du son“ (Europäische Stiftung für die Berufe des Bild und des Tons) ist in Paris die größte und bedeutendste Filmhochschule in Frankreich.
** César du cinéma: Der César ist der nationale Filmpreis in Frankreich.