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 Zum ersten Mai überreicht man sich in Frankreich einen Strauß Maiglöckchen.
Foto: B. Monginoux
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Die Vögel zwitschern, das Wetter wird milder, die Wintermäntel werden zu Hause gelassen, die Kirschbäume blühen, kurzum der Mai steht vor der Tür. Und mit ihm auch die Straßenfeste und Demonstrationen, die alljährlich am ersten Mai in Berlin-Kreuzberg stattfinden. Doch nicht nur in Berlin ist viel los, auch in Frankreich wird der erste Mai zelebriert.

Historisch sind die traditionellen Demonstrationen des ersten Mais auf die Ereignisse des Jahres 1886 zurückuführen. Es wurde ein mehrtätiger Streik von den Gewerkschaften organisiert, um die tägliche Arbeitszeit zu reduzieren, die durch Polizeieingriff eskalierte. Die sog. Haymarket Affair von Chicago begründet die Tradition der internationalen Arbeiterbewegung und der Gewerkschaften. Während in Berlin sich diese Tradition der Demonstrationen des ersten Mais auch auf den 1. Mai 1987 zurückführen lässt, als in Kreuzberg bis dahin ungekannte schwere Unruhen ausbrachen und die Berliner Polizei sich für mehrere Stunden aus dem Stadtteil Kreuzberg zurückziehen musste, haben die „Feierlichkeiten“ in Frankreich eine andere Prägung in der Geschichte erlebt.

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 Demonstrantion des Allgemeinen Gewerkschaftsbunds (CGT) in Paris am 1. Mai
Fotot: www.nach.biz/foto
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Im Jahr 1941 bezeichnet der Maréchal Pétain den ersten Mai als das „Fest der Arbeit und sozialen Eintracht“. Der erste Mai wird zum arbeitsfreien Tag. Zunächst soll diese Maßnahme die Arbeiter dazu bewegen sich dem Regime von Vichy anzuschließen, obwohl das Datum schon lange Symbol der, von Arbeitern gestellten, gewerkschaftlichen Forderungen ist. 1948 wird der erste Mai von dem Befreiungsregime zum bezahlten Feiertag erklärt. Seitdem ist der erste Mai eine bedeutende Feier der Gewerkschaften Frankreichs. Die verschiedenen Organisationen rufen zu Versammlungen auf und Arbeiterstraßenzüge finden im ganzen Land statt.


Neben den gewerkschaftlichen Demonstranten, begeben sich auch die rechtsextremen Anhänger am ersten Mai auf die Straßen Frankreichs. Der Front National organisiert alljährlich zu Ehren Jeanne d’Arcs eine große patriotische Parade, mit viel Fanfaren und Flaggen.

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 Die zwei Lieblinge des Front Nationals: Jeanne und Marine
Foto: Ernest Morales
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Wie war das noch mal mit Jeanne d’Arc? Vermutlich am 6. Januar 1412 geboren, gestorben am 30. Mai 1434, die Befreiung Orléans fand am 8. Mai statt. Zur Kirchenpatronin wurde sie auch erst 1922 erklärt. Wie kommt es da zur ihrer Ehrung am ersten Mai?
Als Jean-Marie Le Pen 1972 den Front National gründet, wählt er Jeanne d’Arc als Gesicht der Partei. Als der Leader des FN 1988 in der ersten Runde (24. April) der Präsidentschaftswahlen den großen Durchbruch mit 14,4% schafft, beschließt er eine große Versammlung noch vor der Stichwahl (8. Mai) zu organisieren. Das Datum des ersten Mais bot sich nur zu gut an. Das neue Fest wird als Vereinigung des Arbeiterfestes und der Ehrung Jeanne d’Arcs gefeiert.

Politisches Steinewerfen
2012 soll eine neue Feierlichkeit am ersten Mai zelebriert werden. Der amtierende Präsident Nicolas Sarkozy hat am Montag dem 23. April verkündet, dass anlässlich der „wahren Arbeit“ eine „große Versammlung“ stattfinden soll. Doch diesmal gibt es wohl keinen geschichtlichen Hintergrund, sondern eher einen aktuellen politischen Vordergrund. Frankreich befindet sich wieder einmal kurz vor den Stichwahlen (6. Mai) und Sarkozy tritt gegen Holland in der zweiten Runde der Präsidentschaftswahlen an. Es wird stark vermutet, dass der rechte Kandidat Sarkozy sowohl die linken Parteien und Gewerkschaften destabilisieren, als auch die rechtsextremen Wähler ziehen will.
Die Sozialisten sind empört, Mélenchon, der Kandidat der linksextremen Partei Front de Gauche, bezeichnete das Vorhaben als „an die Arbeiter gerichtete Kriegserklärung“. Ob diese Aktion die rechtsextremen Wähler tatsächlich überzeugen kann, ist auch noch nicht gesagt.
Céline Bobillon
26.04.2012